Clementine Gasser

PRESSE


Clementine Gasser – CD-Review PIONEER 23
Concerto Magazin Alfred Krondraf Dezember 2003
Genre Contemporary: Top Score 5 points


Clementine Gasser spielt auf dieser CD Eigenkompositionen auf dem Cello. Sie nennt ihre Musik subversive Klassik-Avantgarde und diese Bezeichnung hat etwas für sich! Gassers Musik ist vordergründig subversiv, sie ist laut und unbeherrscht, aber eben nur vordergründig. Sie entwickelt Gefühl, sie hat die notwendige Technik, und sie hat eine wahre Pranke für das Cello.

Der syntaktische Formablauf und die verfeinerten Verzahnungen differenzierter Abläufe sind eindrucksvoll und eigenwillig gewählt. Beispielsweise beginnt ein Stück mit einer langsamen Einstimmung, ein allmählich rhythmisch werdendes Pulsieren schließt sich an, es folgt ein Thema mit variationsähnlichen Teilen und Auffächerungen, um zu einem sich steigernden virtuosen Ende zu gelangen.
Oder es umspannt eine lange Komposition nur wenige Töne – oft ist es eine einzige Note, die eine ganze Stimmung trägt – retardierende Momente sind ebenso subtil eingearbeitet sowie stille Stellen, Reihungen... Anhören.

 

 

« Spleen de Paris » de Charles Baudelaire
Concerto Magazin Alfred Krondraf Februar 2005 – Review
Clementine Gasser und Charles Baudelaire praktizieren die intime Annäherung


Er, Charles Baudelaire, wird als der Erfinder des Dandy und des Flaneurs bezeichnet, seine Heimat war Paris und seine Literatur war suggestiv, sie, Clementine Gasser gilt als die Erfinderin der „Wilden Kammermusik“, ihre Wahlheimat ist Österreich und ihre Musik ist rauschhaft. Zwei diametral entgegengesetzte Charaktere trafen sich im Geiste und praktizierten eine sehr intime Annäherung.

Die Cellistin und Komponistin Clementine Gasser nahm sich der Poesie von Charles Baudelaire an und setze seine bizarre, suggestive, schwärmerische Dichtkunst in Töne um. Gemeinsam mit dem hervorragenden Schlagzeuger Erwin Schober und den beiden „Stimmen“ Markus Hering und Patrick O. Beck erarbeitete sie das Programm « Spleen de Paris ». Die Texte von Baudelaire dienen als Basis für die streckenweise kontemplative, dann wieder rauschhaft explodierende Schlagzeug-Cellomusik, die das komplette Universum der poetischen Auseinandersetzung Baudelaires mit seinem Paris, mit seiner Zeit, mit seinem „Zeitgeist“ widerspiegelt.

Die beiden „Stimmen“, die eine erklingt französisch, die andere rezitiert auf Deutsch, schaffen die Atmosphäre für die  spielerische Umsetzung der Gefühlswelten. Vor allem in den sehr persönlich anmutenden Momenten der bewussten Überlagerung der Sprachen und der Sprachmelodien entsteht eine sehr persönliche, sehr gefangen nehmende Aura, die tiefgehende Eindrücke hinterlässt.

Nicht nur die Stille wird plötzlich hörbar und nachempfindbar, auch das Sehnen und Wollen, das Scheitern und das Gelingen eines bewegten Lebens wird spürbar – und zwar kompromisslos. So war es eben als Baudelaire sein Leben lebte, als er seine Gedanken und Empfindungen zu Papier brachte. Wie sich Texte einer längst vergangenen Zeit im Sinne des Schöpfers ebendieser aber doch in einer zeitgemäßen Form interpretieren lassen, zeigt Clementine Gasser mit ihrem Ensemble in beeindruckender Form.